FORÊT D’EXPÉRIMENTATION frosch filmstill

AT/CAN 2012, col & b/w, 22 min
music: Andreas Berger, sound recording: Steve Bates, supported by: iff Innovative Film Austria, CINE ART Styria, Wien Kultur, distribution: sixpackfilm, Light Cone

FORÊT D’EXPÉRIMENTATION – the experimental forest, the name of a place, a title, and a statement of intent. The first step into this forest is represented as a black-and-white silhouette, branches against a background of clouds moving rapidly across the sky, with a modulating soundtrack that records and further develops nature’s sounds. A picture, whose aesthetic excess takes up well-known references to landscape paintings and photography, as well as genre cinema.
But as soon as one penetrates deeper into the forest, the visual and tonal register changes, the view moves ever closer to the landscape’s pre-civilizational elements; vegetation, water, and wildlife. Attention turns to details, rhythm; to subtle and also surprising changes and movements. Nature’s enigmatic aspect moves to the forefront and the viewer is captivated by formal beauty, by pictures, which must first be decoded in their visual alienation and play of various size relations.
The borders between nature and landscape, handed down forms of representation and playful experiment, the abstract and figurative are dealt with in the mode of a fascinating and simultaneously exploratory awareness. The processing of well-known visual and tonal alphabets produces an entirely unique, idiosyncratic cinematic experience.
The view remains in motion, there is constantly something new to see, hear, and discover. In the end, the circle closes with a sight that could again be taken from a classical painting or a feature film. Different levels of awareness overlap, penetrate, and influence one another. The experiment is in the search for a form of depiction, and also the view—from the landscape to nature and back again. (Barbara Pichler)


During a walk in the Laurentian Mountains/Canada I discovered a sign pinned to a tree saying „FORÊT D’EXPÉRIMENTATION „. I became curious about what exacty makes this forest experimental and decided to return with my camera and sound equipment to explore it. For quite some time now I have been interested in field recordings and trying to find ways of depicting nature without romanticizing its beauty and without colonializing it with my gaze and desires. My goal was to record the diversity and lushness that exists within this forest, analyzing the landscape´s specific atmosphere and creating my personal audiovisual representation of this experimental forest.(Michaela Grill)


Festivalplacements:
25 FPS Zagreb/HR, Festival du Nouveau Cinéma Montréal/CAN, Denver IFF/USA, Mar del Plata IFF/ARG, Diagonale Graz/A, Hongkong IFF/HK, Vila do Conde Film Festival/P, Kunstraum Leipzig/D, Peru Int Short FF /PERU, Lausanne Underground FF/CH, Hamburg Kurzfilmfestival/D, dokumentART Neubrandenburg & Szczecin/D&PL, Int. Film Festival Milano/I, Vienna Independent Shorts/A, Era New Horizons Festival/PL, Buenos Aires Festival de Cine Independiente/ARG, Bienal for Moving Images Buenos Aires/ARG, Alchemy Film Festival/UK, Papay Gyro Nights/UK, Papay Gyro Nights/HK, Golden Reel Int Underground Film Festival Ulan Bator/MN

Screenings:
Austrian Filmmuseum/A, PanOpticum Neusiedl/A, Verksmiðjan Hyalteyri/IS, National Gallery of Art Washington/USA, Papay Gyro Nights Hong Kong, nominated for the Austrian Film Price by the Academy of Austrian Film and part of their traveling showcase with stops in Chisinau/MOL, Iasi/ROM, Pilsen/CZ, Budapest/HUN, Woronesch/RUS, Moscow/RUS, Lissabon/P, Faro/P, Rainha/P, Braga/P, Guimarães/P, Madrid/E, Salamanca/E, Zamora/E, Valladolid/E, Burgos/E, León/E, Palencia/E, Triest/I, Shanghai/CN, Mexico, Poland, France and Hongkong, Austrian Cultural Forum London/UK, Fondation pour la Culture et les Civilisations du Vin Bordeaux/F

online:
Labocine/ „Spirit of the Forest“

TV:
TVE Espana/Spain

Collections:
Collection Wien Museum

Prizes:
Prize for Innovative Film at Diagonale – Festival of Austrian Film /A, 2013, Special Mention at 25 FPS Zagreb/HR, nominated for the Austrian Academy Award

Review: Wald der Experimente, Film der Sinne Eine Filmkritik von Manon Steiner Die elektronische Musik wird immer lauter, die über den weißen Himmel ziehenden Wolken immer dichter und nach und nach eins mit den starren, schwarzen Ästen bis die Dunkelheit schließlich für einen Moment die ganze Leinwand einnimmt. Plötzlich entsteht vor unseren Augen ein Gemisch aus grün und schwarz, das Bild zittert, ist verschwommen und verwackelt. Die Musik ist laut und unheimlich und erinnert an Tiere in der Nacht; man möchte etwas erkennen, sieht aber nur dunkle Umrisse vor einem eigenartig grünen Licht. So in etwa sehen die ersten paar Minuten von Michaela Grills neuem Film aus, der auf der Diagonale 2013 Premiere hatte. Grills FORÊT D’EXPÉRIMENTATION ist ein Spiel mit Licht und Dunkelheit, mit Farben, stille und Lauten, mit Realität und Fantasie. Grill arbeitet stets intermedial. Sie ist keine Regisseurin und eigentlich auch keine Filmemacherin, sondern eine Videokünstlerin und Performerin, die sich, wie ihre Videos, nicht in eine Schublade stecken lässt. Mit ihren Werken verkörpert Michaela Grill die revolutionäre Frau und Künstlerin des 21. Jahrhunderts, die sich in der von Männern dominierten Filmwelt nicht unterkriegen lässt. FORÊT D’EXPÉRIMENTATION stellt Extreme dar, zeigt, dass nicht alles auf einer linearen Ebene stattfindet, dass es mehr Zugänge zu einer Sache, einem Thema gibt. Grill selbst verbrachte insgesamt drei Monate in ihrem experimentellen Wald – was sie dort sah und erlebte,-verarbeitete sie in dem 22-minütigen Experimentalfilm. Unterschiedliche Szenerien folgen dort schnell wechselnd aufeinander. Mal befinden wir uns in einer mystischen Horrorwelt wo das laute Surren der Musik an Insekten erinnert und in deren Dickicht sich etwas zu bewegen scheint. Dann wieder in einer eigenatigen Feen- und Traumlandschaft aus gleißendem, weißen Licht, das Bäume und Geäst wie einen Schein bedeckt. Der Wald unterliegt ständiger Veränderung und es scheint, als sehe man ihn stets mit anderen Augen. Er lässt viel Raum für Assoziationen und Fantasien, aber auch für Albträume zu. In dem Video wird er zu einer Metapher für Gefühlszustände, für Gedankenwelten, für das Unbewusste. Häufig spielt Grill nur mit Schatten und Silhouetten, mit schwarz und weiß. Von einer Sekunde auf die andere 1st die Leinwand dann aber wieder in eine Fülle von leuchtenden Farben getaucht: rot-gelbe Feuerbälle heben sich von einer tiefgrünen Fläche ab und erinnern an Planeten im Weltall. Allmählichwird das Bild klarer: auf einem See spiegeln sich Bäume mit ihren grünen und roten Herbstblättern. Die Musik ist nun nicht mehr unheimlich, sondern vermittelt ein mystisches Gefühl. Für einen Moment kann man die Wirklichkeit erkennen, bevor alles wieder abstrakt, die Musik unruhig und immer schneller erklingt, bis sie schließlich zu einer monotonen Masse wird, während sich die frames rasend schnell, bis zur Unkenntlichkeit, abwechseln. Man bekommt das Gefühl sich in einem Nachtclub zu befinden, in dem einem das stroboskopische Licht die Sinne verwirrt.In seinem Text „Michaela Grill. Vibrating Currents“, nennt Steve Bates Vibration als Grills Grundelement. Auch der Wald scheint hier förmlich zu zittem, zu rauschen und zu beben. Doch es gibt auch Momente, in denen es ganz still ist, sich nichts mehr bewegt und wir nur ein Bild von einem Wald vor uns haben, das dem Pinsel eines Paul Cézanne entsprungen sein könnte. Gegen Ende werden seine Konturen immer deutlicher, realer bis es sich schließlich leicht auf einer Postkarte wieder finden ließe. So erzeugt Grill einen krassen Kontrast zwischen einer möglichen Wirklichkeit und ihrer Traum-/Albtraumwelt. Der Wald bot ihr dabei ein Portal ins Ungewisse und Unterbewusstsein, in ihr eigenes seelisches Innenleben. Es ist kein Zufall, dass er seit Jahrhunderten als Schauplatz für Sagen und Mythen dient, eine Inspirationsquelle für Malerei, Literatur und Film bietet und tiefe Gefühlsregungen in der menschlichen Psyche hervorrufen kann: mit seinem Spiel aus Farben und Gerüchen; seinen Bewohnern, seinen Sträuchern und hohen Bäumen zwischen denen man sich so leicht verlieren kann, hat der Wald immer etwas Mystisches, etwas Beängstigendes und etwas Schönes, das man nie ganz in Worte fassen kann. Ähnlich ist auch Michaela Grills Film. Indem er die Grenzen medialer Möglichkeilen und kognitiver Fähigkeiten austestet, lässt sich FORÊT D’EXPÉRIMENTATION nicht einfach definieren und vermutlich wird man auch noch bei der zehnten Betrachtung auf etwas Neues stoßen, sei es im Film oder in einem selbst.

standard kritik zu FORÊT D’EXPÉRIMENTATION
taz kritik zu FORÊT D’EXPÉRIMENTATION